Mario Adorf im Interview zum neuen TV-Spot von Widex Hörgeräte: Ein Indianer muss doch gut hören! - Wie? Winnetou! Widex!

Herr Adorf, als Unternehmensbotschafter der Widex Hörgeräte GmbH haben Sie im letzten TV-Spot Menschen ermutigt, ihr Gehör prüfen zu lassen. Welche Reaktionen gab es in Ihrem Umfeld auf den TV-Spot und Ihr Engagement für Widex?
Mario Adorf: Ich habe immer nur Gutes gehört und interessanterweise auch sehr oft den Satz: „Daraufhin ist mein Mann zum Hörgeräte-Akustiker gegangen und hat diesen Hörtest gemacht.“ Es wurde auch immer wieder betont, dass der TV-Spot sympathisch und offen wirkte. Also ich muss sagen, ich habe mein Engagement dadurch schon als sehr positiv empfunden. Man kann sagen, dass in dem einen Jahr, das seit dem ersten TV-Spot vergangen ist, doch schon sehr viel anders geworden ist. Ich glaube, das Tabudenken ist deutlich spürbar weniger geworden. 

Gab es auch witzige Begebenheiten oder Anekdoten rund um Ihr Engagement und den TV-Spot?

Mario Adorf: Nun ja, es kam schon vor, dass sich in meinem Umfeld Leute erkundigt haben, wie das mit den Hörgeräten geht. Die meisten waren sehr erstaunt, dass ich überhaupt Hörgeräte trage, es sieht ja niemand (lacht). Ich hatte Ihnen ja von einer bekannten Kollegin von mir erzählt, die sich für ihren Vater erkundigt hatte, der nicht mehr gut hört. Lustig war, dass sie das selbst ausprobieren und hören wollte. Nun gut, ich habe dann tatsächlich mein Gerät rausgenommen und es ihr ans Ohr gehalten. Natürlich habe ich die Lautstärke erst etwas runtergeschaltet. Und dann war sie überwältigt, sie sagte: „Das ist ja wirklich unglaublich, also das müssen wir unbedingt auch machen.“

Hat sich Ihr eigener Umgang mit dem Thema Hörminderung und Hörgeräte-Versorgung durch Ihr Engagement für Widex nochmal verändert?

Mario Adorf: Mein Verhältnis zu der Thematik war ja von Anfang an positiv. Ich sehe auch, dass sich in den Jahren, in denen ich schon Hörgeräte trage, sehr vieles weiterentwickelt hat. Ich kann nur sagen, ich persönlich bin sehr zufrieden. Ich höre selbst in Restaurants und in großen Räumen so viele Geräusche, bis in die letzte Ecke (schmunzelt). Also das ist schon unglaublich, was man alles mitkriegt (lacht). Für mich sind die Hörgeräte eine ganz wichtige Hilfe, die ich nicht mehr missen möchte.

Sie haben einen neuen TV-Spot für Widex abgedreht. Wie würden Sie den aktuellen TV-Spot im Vergleich zum vorherigen beschreiben?

Mario Adorf: Ich glaube, der erste TV-Spot war ein erster Schritt, die Aufforderung an ein großes Publikum: „Lasst euer Gehör testen, macht einen Hörtest.“ Das zielte nicht auf eine Produktwerbung hin, sondern es war ein erster Versuch, das Bewusstsein eines Publikums zu schärfen und darauf aufmerksam zu machen auf das, was man an erster Stelle machen muss. Nämlich einen Hörtest, um herauszufinden, wie es um das eigene Hörvermögen bestellt ist. Und nicht zu sagen, „das geht schon“ oder „wieso soll ich einen Hörtest machen“. Sondern dass man offen reagiert und sagt: „Aha, klar, warum nicht, mache ich also einen Hörtest.“ Das war die Aufgabe des ersten Spots und ich glaube, dass es gut ist, dass wir jetzt einen Schritt weitergehen, dass wir ganz gezielt sagen, was wir wirklich verlieren, wenn wir nicht mehr gut hören können. Im neuen Spot zeigen wir: ,,Was hören Sie denn wirklich genau?“ „Was verpassen Sie?“ „Was vermissen Sie?“ Das war für mich das Entscheidende, dass ich jetzt anhand eines Spots vorführen kann, was man nicht mehr hört. Und dass wir einen Anreiz schaffen, sodass der Zuschauer sagt: ,,Das ist wirklich wahr, ich höre das nicht mehr oder ich nehme dies und jenes nicht mehr wahr.“ Es soll mit dem Spot erreicht werden, dass die Menschen sich nicht verstecken oder sich selbst über ihre Hörschwäche hinweg lügen. Sondern dass sie diesen wichtigen ersten Schritt tun und sagen: „Ich möchte das jetzt auch haben.“

Sie haben die Spot-Idee für Widex entwickelt. Wie kamen Sie auf die Idee des Drehbuchs?

Mario Adorf: Nun ja, wie das so ist. Irgendwann erwähnte die Frau von Pierre Brice, mit dem ich ja schon seit Jahren befreundet bin, dass er auch ein „Kandidat“ ist, weil er nicht mehr so gut hört. Darauf haben wir den ganz normalen Weg beschritten und gesagt, wir werden mit ihm sprechen und das Problem lösen. Hinzu kam noch die eingangs erwähnte Episode mit der bekannten Kollegin. Somit war die Grundidee geboren. Der Spot funktioniert in der Natur mehr als irgendwo anders. In der Natur und somit auch im Urlaub ist es ganz eklatant, wenn eben vielseitige Geräusche wie das Zwitschern der Vögel, das Spielen von Kindern am Strand verloren gehen, dann geht ja auch ein Teil des Sinns vom Urlaub verloren. Du hörst ganz wichtige Geräusche in deiner Umgebung nicht mehr, die letzten Endes auch für die Gesundheit, für das Wohlbefinden wichtig sind und die vermisst werden, wenn sie verloren gehen.

So ist die Idee entstanden, im zweiten TV-Spot einen Partner hinzuzunehmen. Wenn man die Hörgeräte-Empfehlung an einen anderen Betroffenen direkt gespielt hätte als Aufforderung: „Besorgen Sie sich ein Hörgerät“, dann wäre das sehr lehrerhaft, sehr belehrend rübergekommen. Zeige ich das aber am Beispiel eines Freundes, eines mir bekannten Menschen, dann ist das wieder etwas ganz anderes. Und daher kam dann auch die Idee, dass ich das mit Pierre Brice machen kann und meinem Freund sozusagen klar mache, was er nicht mehr hört und was er mit Hörgerät wieder hören könnte. So hat sich das dann entwickelt. Und jetzt hat er ja auch ein Hörgerät von Widex (lacht).

Gab es Botschaften, die Ihnen persönlich wichtig waren, die Sie im neuen TV-Spot gerne vermitteln wollten?

Mario Adorf: Neben der Kernbotschaft, dass man mit einem Hörgerät wieder viele verloren gegangene Geräusche erleben kann, sollte dieses Mal auch auf ein bestimmtes Produkt und auf einen innovativen Hersteller aufmerksam gemacht werden. So kam ich auf die Gleichartigkeit der Konsonanten und der Silben, die wir im Spot als Eselsbrücke für den Markennamen benützen: Wie? Winnetou! Widex!

Das ist einfach und soll sich einprägen, damit die Menschen wissen, ach ja, „Wie? Widex!“. Zumal das Wort „Wie“ für mich immer das wichtige Wort war, das einen beginnenden Hörverlust ankündigt. Und dass wir diese Ähnlichkeit der Silben zu Widex in Verbindung bringen, das ist, glaube ich, nicht schädlich. Im Gegenteil, es kann ganz nützlich sein, weil der Spot unterhaltend ist und Widex quasi für die Lösung des ständigen „Wie bitte“-Fragens steht. Und die Verbindung von Winnetou zu Widex, dafür ist natürlich Pierre Brice als Winnetou besonders prädestiniert. Zumal nahezu jeder weiß, dass Indianer besonders gut hören. Wenn ein Indianer nun nicht mehr gut hört, dann ist das ja noch viel schlimmer, als wenn ein normaler Mensch nicht mehr so gut hört (lacht). Das schien mir logisch zu sein und als Geschichte für den Spot rund zu werden.

Sie haben es schon angesprochen, Herr Adorf, dass Pierre Brice die Gastrolle im TV-Spot inne hat und dass mit einem Augenzwinkern auch auf Ihre gemeinsame Arbeit in den Karl-May-Verfilmungen angespielt wird.

Mario Adorf: Ja, Pierre und ich kennen uns aus den Karl-May-Filmen, da haben wir uns kennengelernt und dann waren wir lange in Rom Nachbarn, wo wir uns wieder trafen. Wir haben über lange Jahre eine intensive Freundschaft gehabt, bis sich unsere Wege für längere Zeit getrennt haben.

Aber dann sind wir später beide nach Paris gegangen und dadurch ist die Verbindung zu Pierre wieder da. Insofern spielt die Karl-May-Verfilmung für unsere Freundschaft eine wichtige Rolle.

Was bedeutet Ihnen die Zusammenarbeit mit Ihrem Freund Pierre Brice? Wie war das für Sie?

Mario Adorf: Im Laufe der letzten Jahre gab es immer schon mal Ansätze. Dass z.B. ein Regisseur kam und eine Geschichte für uns entwickelt hat. Nur eine Umsetzung hatte sich bisher noch nicht ergeben. Insofern hat mir der Gedanke, dass wir endlich mal was zusammen machen können, schon sehr gefallen.

Sie haben in einem anderen Gespräch einmal erzählt, dass man Ihnen damals unheimlich übel genommen hat, dass Sie im Karl-May-Film die Schwester von Winnetou erschossen haben.

Mario Adorf: Das ist richtig, ja (lacht).

Hat das Ihre Spot-Idee in irgendeiner Weise beeinflusst, quasi die „Versöhnung“ von Winnetou und Santer zu spielen?

Mario Adorf: Na ja, eigentlich nicht. Das war ja mehr die Meinung des Publikums gewesen, das hasste mich, den bösen Santer, weil ich die Nscho-tschi, Schwester Winnetous, erschossen habe, nicht wahr. Für Pierre und mich war das nie ein Thema. Aber das Publikum hat mir das über Generationen übel genommen (grinst verschmitzt).

Welche Szene im neuen Widex-TV-Spot war aus schauspielerischer Sicht eine Herausforderung?

Mario Adorf: Das Thema Hören bzw. nicht Hören sichtbar zu machen, das bringt eine Herausforderung mit sich. In der Szene zeige ich als Hörender meinem Freund Pierre, der nicht mehr so gut hört, mein Hörgerät und lasse ihn ausprobieren, was er ohne Hörgerät alles verpasst und mit Hörgerät wieder erleben kann. Indem ich sage: „Hier, ich gebe dir das und jetzt probier das mal“, und er erkennt: „Ja, das ist ja toll, das ist fantastisch, das muss ich auch haben“, gehen wir einen wichtigen nächsten Schritt. Damit Betroffene erkennen: Wenn der Unterschied mit oder ohne Hörgerät so eklatant ist, wenn das so toll ist, was ich wieder höre, und so schade ist, wenn ich nicht mehr höre, dann soll das der Anreiz dafür sein, dass die Zuschauer sagen: „Also das will ich auch haben.“ 

Herr Adorf, verraten Sie uns Ihre Lieblingsszene aus dem TV-Spot?

Mario Adorf: Eigentlich fand ich diese vielleicht gar nicht realistische Tatsache, dass man im wirklichen Leben ein solches Gerät austauscht, recht prägnant, um den Gedanken des „Das will ich auch haben“ zu vermitteln. Das ist eine filmische Freiheit, die wir uns genommen haben, nicht wahr. Aber davon abgesehen war für mich auch die Schlussszene sehr wichtig, dass man zeigt, die haben ja die Lebensfreude wie Kinder. Darauf habe ich sehr großen Wert gelegt, irgendwie zu zeigen, dass gerade das neue Hörerlebnis zu einer unbändigen, ja kindlichen Lebensfreude führt. 

Welche Zuschauerreaktion wünschen Sie sich für den neuen TV-Spot?

Mario Adorf: Wenn ich eine Überschrift geben müsste, würde ich sagen: „Das muss ich auch haben.“ Das wäre mein Wunschergebnis, wenn man erreichen kann, dass sich das beim Publikum festsetzt. Wenn die Betroffenen erkennen, dass sie sich ihre Hörschwäche bisher nicht eingestanden haben, und sich motivieren lassen, wie Pierre und ich ein Hörgerät zu nutzen und dann selbst merken, was das für einen großen Unterschied ausmacht, wieder gut hören zu können. Wenn diese Menschen dann dazu stehen und sagen: „Wenn das so toll ist, dann will ich das auch versuchen.“ Sollten wir das erreichen, dann ist das für mich das Wünschenswerte.

Der Spot ist an einem der Strände Ihrer Wahlheimat Saint Tropez gedreht worden. Was bedeutete das Heimspiel für Sie?

Mario Adorf: Na ja, das ist natürlich ein großer Vorteil, wenn man vor Ort alles kennt. Mir war das natürlich wichtig, weil ich dem Team im Vorfeld sagen konnte, wo es geeignete Drehorte gibt, wie das Wetter, der Wind, das Meer und das Licht voraussichtlich sein werden. Und das alles ist das Vorwissen eines Heimspiels, wie Sie sagen, es ist der „Genius Loci“, der Geist des Ortes, der sich hier für die Szene der puren Lebensfreude besonders bemerkbar macht.

Was lieben Sie persönlich besonders am Leben in Saint Tropez?

Mario Adorf: Also, das ist schon mehr eine halbe Lebensgeschichte, wenn man bedenkt, dass ich über 40 Jahre jedes Jahr hierherkomme und dann einige Monate hier verbringe. Ich will mich hier auch nicht dauernd amüsieren, indem ich mir die halben Nächte um die Ohren schlage. Aber seit ich selbst ein Haus etwas außerhalb besitze und eben nicht im Dorf dem ganzen Rummel ausgesetzt bin, macht das für mich die Qualität von Saint Tropez aus und nicht der Ruf als Jetset-Rummelplatz. Außerdem habe ich hier meine Frau kennengelernt, die in Saint Tropez geboren und aufgewachsen ist (lacht).

Mit dem letzten TV-Spot für Widex konnten Sie viele Menschen motivieren, einen Hörtest durchführen zu lassen. Was ist das für ein Gefühl, wenn Sie wissen, dass die Menschen zum Hörgeräte-Akustiker gegangen sind und sagten: „Der Adorf hat gesagt, ich soll einen Hörtest machen, hier bin ich.“?

Mario Adorf: Ja, das freut mich natürlich sehr. Und wenn es mit dem neuen Spot jetzt noch weiterginge, dass die Zuschauer sagen: Jetzt kriegt der Brice ja auch so ein Ding und wenn Winnetou schon sagt: ,,C‘est magnifique“…, also wenn sich solche Gedankengänge fortsetzen und die Menschen motiviert, es uns gleichzutun, dann wäre das natürlich ein toller Erfolg und den wünscht man sich. 

Der neue TV-Spot für Widex ist abgedreht. Wie sieht das weitere Jahr für Mario Adorf beruflich aus?

Mario Adorf: Es gibt weitere Filme, die gemacht werden. Ich werde dieses Jahr wieder einen kleinen Film machen. Dann im Herbst wieder eine richtig schöne Hauptrolle spielen, wie in den letzten Jahren wird wieder ein wichtiger Film auf dem Programm stehen. Und solange es mir Spaß macht, mache ich auf diese Weise auch weiter, und solange es immer noch interessante Angebote gibt, will ich es noch ein bisschen ausnutzen (lacht).

Das ist die perfekte Überleitung zu meiner letzten Frage, Herr Adorf. Letzten Herbst haben Sie Ihren 80. Geburtstag gefeiert, denken aber, wie Sie eben bestätigt haben, noch lange nicht ans Aufhören. Was bedeutet Ihnen die Schauspielerei heute im Vergleich zu den früheren Jahren? Oder anders gefragt: Hat sich Ihr Blick auf die Schauspielerei im Laufe der Jahre verändert?

Mario Adorf: Eigentlich nicht oder nur wenig. Aber ich kenne Kollegen, die ermüden im Laufe der Karriere, manchmal schon mit 50 oder noch früher. Die sagen: „Ich kann es nicht mehr, ich mag es nicht mehr, es ist mir zu viel. Es ist schrecklich mit dem Konkurrenzkampf“, und so weiter. Viele verlieren auch die Lust und wollen einfach nicht mehr und das ist bei mir überhaupt nicht der Fall. Ich bin gerne Schauspieler, es ist einfach die Freude am Darstellen, der Spaß, den man dabei hat. Für mich ist es das Wichtigste, dass man seine Arbeit immer noch mit Spaß macht. Das ist letzten Endes das Kriterium, dass man, wenn man älter wird, sagt: „Ich mache nur noch das, was mir Spaß macht.“ Früher war das nicht immer so, man konnte nicht immer nur das machen, was einem Spaß machte. Aber irgendwann gibt es den Punkt, an dem man sich das einfach als Regel setzt: Es muss mir Spaß machen oder ich will einen bestimmten Film machen, weil er wichtig ist, weil man ihn unterstützen sollte, das gibt es natürlich auch. 

Dann freuen wir uns natürlich besonders, dass für Sie auch der neue Widex-Spot diese Kriterien erfüllte, und danken Ihnen herzlich für das Gespräch. 

Ich danke Ihnen auch.



Hinweis: Dieses Interview darf im Wortlaut komplett oder auszugsweise unter Nennung der Quelle veröffentlicht werden. Das Interview führte Sandra Peggy Reiß, Leiterin Unternehmenskommunikation, Widex Hörgeräte GmbH am 4. Mai 2011.

„Pressefotos des Initiativen-Botschafters Mario Adorf sowie zum TV-Spot erhalten Journalisten gerne auf Anfrage“