Herr Adorf, als Unternehmensbotschafter der Widex Hörgeräte GmbH haben Sie im letzten TV-Spot Menschen ermutigt, ihr Gehör prüfen zu lassen. Welche Reaktionen gab es in Ihrem Umfeld auf den TV-Spot und Ihr Engagement für Widex?
Ich habe immer nur Gutes gehört und interessanterweise auch sehr oft den Satz: „Daraufhin ist mein Mann zum HörgeräteAkustiker gegangen und hat diesen Hörtest gemacht.“ Es wurde auch immer wieder betont, dass der TV-Spot sympathisch und offen wirkte. Also ich muss sagen, ich habe mein Engagement dadurch schon als sehr positiv empfunden. Man kann sagen, dass in dem einen Jahr, das seit dem ersten TV-Spot vergangen ist, doch schon sehr viel anders geworden ist. Ich glaube, das Tabudenken ist deutlich spürbar weniger geworden.

Gab es auch witzige Begebenheiten oder Anekdoten rund um Ihr Engagement und den TV-Spot?
Nun ja, es kam schon vor, dass sich in meinem Umfeld Leute erkundigt haben, wie das mit den Hörgeräten geht. Die meisten waren sehr erstaunt, dass ich überhaupt Hörgeräte trage, es sieht ja niemand (lacht). Ich hatte Ihnen ja von einer bekannten Kollegin von mir erzählt, die sich für ihren Vater erkundigt hatte, der nicht mehr gut hört. Lustig war, dass sie das selbst ausprobieren und hören wollte. Nun gut, ich habe dann tatsächlich mein Gerät rausgenommen und es ihr ans Ohr gehalten. Natürlich habe ich die Lautstärke erst etwas runtergeschaltet. Und dann war sie überwältigt, sie sagte: „Das ist ja wirklich unglaublich, also das müssen wir unbedingt auch machen.“

Hat sich Ihr eigener Umgang mit dem Thema Hörminderung und Hörgeräte-Versorgung durch Ihr Engagement für Widex nochmal verändert?
Mein Verhältnis zu der Thematik war ja von Anfang an positiv. Ich sehe auch, dass sich in den Jahren, in denen ich schon Hörgeräte trage, sehr vieles weiterentwickelt hat. Ich kann nur sagen, ich persönlich bin sehr zufrieden. Ich höre selbst in Restaurants und in großen Räumen so viele Geräusche, bis in die letzte Ecke (schmunzelt).
Also das ist schon unglaublich, was man alles mitkriegt (lacht). Für mich sind die Hörgeräte eine ganz wichtige Hilfe, die ich nicht mehr missen möchte.

Sie haben die Spot-Idee für Widex entwickelt. Wie kamen Sie auf die Idee des Drehbuchs?
Nun ja, wie das so ist. Irgendwann erwähnte die Frau von Pierre Brice, mit dem ich ja schon seit Jahren befreundet bin, dass er auch ein „Kandidat“ ist, weil er nicht mehr so gut hört. Darauf haben wir den ganz normalen Weg beschritten und gesagt, wir werden mit ihm sprechen und das Problem lösen. Hinzu kam noch die eingangs erwähnte Episode mit der bekannten Kollegin. Somit war die Grundidee geboren. Der Spot funktioniert in der Natur mehr als irgendwo anders. In der Natur und somit auch im Urlaub ist es ganz eklatant, wenn eben vielseitige Geräusche wie das Zwitschern der Vögel, das Spielen von Kindern am Strand verloren gehen, dann geht ja auch ein Teil des Sinns vom Urlaub verloren. Du hörst ganz wichtige Geräusche in deiner Umgebung nicht mehr, die letzten Endes auch für die Gesundheit, für das Wohlbefinden wichtig sind und die vermisst werden, wenn sie verloren gehen.
So ist die Idee entstanden, im zweiten TV-Spot einen Partner hinzuzunehmen. Wenn man die Hörgeräte-Empfehlung an einen anderen Betroffenen direkt gespielt hätte als Aufforderung: „Besorgen Sie sich ein Hörgerät“, dann wäre das sehr lehrerhaft, sehr belehrend rübergekommen. Zeige ich das aber am Beispiel eines Freundes, eines mir bekannten Menschen, dann ist das wieder etwas ganz anderes. Und daher kam dann auch die Idee, dass ich das mit Pierre Brice machen kann und meinem Freund sozusagen klar mache, was er nicht mehr hört und was er mit Hörgerät wieder hören könnte. So hat sich das dann entwickelt. Und jetzt hat er ja auch ein Hörgerät von Widex (lacht).

Gab es Botschaften, die Ihnen persönlich wichtig waren, die Sie im neuen TV-Spot gerne vermitteln wollten?
Neben der Kernbotschaft, dass man mit einem Hörgerät wieder viele verloren gegangene Geräusche erleben kann, sollte dieses Mal auch auf ein bestimmtes Produkt und auf einen innovativen Hersteller aufmerksam gemacht werden. So kam ich auf die Gleichartigkeit der Konsonanten und der Silben, die wir im Spot als Eselsbrücke für den Markennamen benützen: Wie? Winnetou! Widex!
Das ist einfach und soll sich einprägen, damit die Menschen wissen, ach ja, „Wie? Widex!“. Zumal das Wort „Wie“ für mich immer das wichtige Wort war, das einen beginnenden Hörverlust ankündigt. Und dass wir diese Ähnlichkeit der Silben zu Widex in Verbindung bringen, das ist, glaube ich, nicht schädlich. Im Gegenteil, es kann ganz nützlich sein, weil der Spot unterhaltend ist und Widex quasi für die Lösung des ständigen „Wie bitte“-Fragens steht. Und die Verbindung von Winnetou zu Widex, dafür ist natürlich Pierre Brice als Winnetou besonders prädestiniert. Zumal nahezu jeder weiß, dass Indianer besonders gut hören. Wenn ein Indianer nun nicht mehr gut hört, dann ist das ja noch viel schlimmer, als wenn ein normaler Mensch nicht mehr so gut hört (lacht). Das schien mir logisch zu sein und als Geschichte für den Spot rund zu werden.

Sie haben es schon angesprochen, Herr Adorf, dass Pierre Brice die Gastrolle im TV-Spot inne hat und dass mit einem Augenzwinkern auch auf Ihre gemeinsame Arbeit in den Karl-May-Verfilmungen angespielt wird.
Ja, Pierre und ich kennen uns aus den Karl-May-Filmen, da haben wir uns kennengelernt und dann waren wir lange in Rom Nachbarn, wo wir uns wieder trafen. Wir haben über lange Jahre eine intensive Freundschaft gehabt, bis sich unsere Wege für längere Zeit getrennt haben. Aber dann sind wir später beide nach Paris gegangen und dadurch ist die Verbindung zu Pierre wieder da. Insofern spielt die Karl-May-Verfilmung für unsere Freundschaft eine wichtige Rolle.

Welche Szene im neuen Widex-TV-Spot war aus schauspielerischer Sicht eine Herausforderung?

Das Thema Hören bzw. nicht Hören sichtbar zu machen, das bringt eine Herausforderung mit sich. In der Szene zeige ich als Hörender meinem Freund Pierre, der nicht mehr so gut hört, mein Hörgerät und lasse ihn ausprobieren, was er ohne Hörgerät alles verpasst und mit Hörgerät wieder erleben kann. Indem ich sage: „Hier, ich gebe dir das und jetzt probier das mal“, und er erkennt: „Ja, das ist ja toll, das ist fantastisch, das muss ich auch haben“, gehen wir einen wichtigen nächsten Schritt.
Damit Betroffene erkennen: Wenn der Unterschied mit oder ohne Hörgerät so eklatant ist, wenn das so toll ist, was ich wieder höre, und so schade ist, wenn ich nicht mehr höre, dann soll das der Anreiz dafür sein, dass die Zuschauer sagen: „Also das will ich auch haben.“

Welche Zuschauerreaktion wünschen Sie sich für den neuen TV-Spot?
Wenn ich eine Überschrift geben müsste, würde ich sagen: „Das muss ich auch haben.“ Das wäre mein Wunschergebnis, wenn man erreichen kann, dass sich das beim Publikum festsetzt. Wenn die Betroffenen erkennen, dass sie sich ihre Hörschwäche bisher nicht eingestanden haben, und sich motivieren lassen, wie Pierre und ich ein Hörgerät zu nutzen und dann selbst merken, was das für einen großen Unterschied ausmacht, wieder gut hören zu können. Wenn diese Menschen dann dazu stehen und sagen: „Wenn das so toll ist, dann will ich das auch versuchen.“ Sollten wir das erreichen, dann ist das für mich das Wünschenswerte.

Der neue TV-Spot für Widex ist abgedreht. Wie sieht das weitere Jahr für Mario Adorf beruflich aus?
Es gibt weitere Filme, die gemacht werden. Ich werde dieses Jahr wieder einen kleinen Film machen. Dann im Herbst wieder eine richtig schöne Hauptrolle spielen, wie in den letzten Jahren wird wieder ein wichtiger Film auf dem Programm stehen. Und solange es mir Spaß macht, mache ich auf diese Weise auch weiter, und solange es immer noch interessante Angebote gibt, will ich es noch ein bisschen ausnutzen (lacht).

Das ist die perfekte Überleitung zu meiner letzten Frage, Herr Adorf. Letzten Herbst haben Sie Ihren 80. Geburtstag gefeiert, denken aber, wie Sie eben bestätigt haben, noch lange nicht ans Aufhören. Was bedeutet Ihnen die Schauspielerei heute im Vergleich zu den früheren Jahren? Oder anders gefragt: Hat sich Ihr Blick auf die Schauspielerei im Laufe der Jahre verändert?

Eigentlich nicht oder nur wenig. Aber ich kenne Kollegen, die ermüden im Laufe der Karriere, manchmal schon mit 50 oder noch früher. Die sagen: „Ich kann es nicht mehr, ich mag es nicht mehr, es ist mir zu viel. Es ist schrecklich mit dem Konkurrenzkampf“, und so weiter. Viele verlieren auch die Lust und wollen einfach nicht mehr und das ist bei mir überhaupt nicht der Fall. Ich bin gerne Schauspieler, es ist einfach die Freude am Darstellen, der Spaß, den man dabei hat. Für mich ist es das Wichtigste, dass man seine Arbeit immer noch mit Spaß macht. Das ist letzten Endes das Kriterium, dass man, wenn man älter wird, sagt: „Ich mache nur noch das, was mir Spaß macht.“ Früher war das nicht immer so, man konnte nicht immer nur das machen, was einem Spaß machte. Aber irgendwann gibt es den Punkt, an dem man sich das einfach als Regel setzt: Es muss mir Spaß machen oder ich will einen bestimmten Film machen, weil er wichtig ist, weil man ihn unterstützen sollte, das gibt es natürlich auch.

Dann freuen wir uns natürlich besonders, dass für Sie auch der neue Widex-Spot diese Kriterien erfüllte, und danken Ihnen herzlich für das Gespräch.


Ich danke Ihnen auch.