Herr Adorf, Sie sind einer der beliebtesten Schauspieler Deutschlands und mit Ihrer Stimme verzaubern Sie nicht nur Ihr Fernsehpublikum, sondern auch bei vielen Hörbuch-Produktionen. Welche Bedeutung hat das Hören für Sie? Nicht hören wäre für mich eine Katastrophe. Schlecht hören ist schlimm genug und besser hören und gut hören ist für mich ganz ganz wichtig. Vielleicht klingt es zynisch, aber es ist für mich wichtiger als gut sehen.
Warum ist gut hören für Sie wichtiger als gut sehen? Wenn ich etwas sehr gut sehe oder es ein bisschen weniger gut sehe, verändert sich dadurch das, was ich sehe, z. B. ein Bild, nicht wesentlich. Aber beim sehr gut Hören oder weniger gut Hören verändert sich das Gehörte, z. B. wird die Musik ganz entscheidend verzerrt und entstellt. Sie haben sich in den letzten Jahren auch einen sehr guten Ruf als Autor erworben. Wenn Sie als Autor das Sinneserlebnis Hören beschreiben müssten: Wie würde sich das anhören? Ja, es gibt natürlich Dinge, die einem schmerzlich bewusst werden, wenn man sie nicht hört und einem gesagt werden müssen. Wenn meine Frau sagt: Hörst du die Grillen? Und ich höre sie nicht. Hörst du die Vögel zwitschern? Und ich höre sie nicht. Hörst du das Meer rauschen? Und ich höre es nicht. Diesen schmerzlichen Verlust zu beschreiben das ist schwer.
Sie haben in einem früheren Interview gesagt, dass Sie nicht mehr ganz so gut hören wie früher. Welche Gedanken oder Gefühle sind in Ihnen aufgestiegen, als Sie das festgestellt haben? Erst einmal habe ich an meine Mutter gedacht, die in ihrem Alter auch immer weniger und weniger hörte. Und dann dachte ich, aha, jetzt geht es bei dir los. Es zeigte sich zuerst zu Hause durch immer häufigeres Nachfragen: Wie bitte? Was hast du gesagt? Das war für mich das erste Alarmzeichen.
Welche Hörsituationen empfinden Sie als besonders herausfordernd, in denen Ihnen die Hörsysteme jetzt helfen? Das ist eindeutig die Musik. Ich höre sie einfach nicht mehr so wie früher oder überhaupt nicht mehr. Meine Frau sagte dann: Kennst du das Lied, erinnerst du dich, kennst du diesen Song, den haben wir damals… und ich höre es nicht. Ich empfand Musik nicht mehr als schön. Und das hat sich mit Hörsystemen sehr verändert, natürlich. Jetzt kann ich wieder ein Konzert, eine Schallplatte anhören und genießen.
Herr Adorf, Sie motivieren im TV-Spot von Widex Menschen, einen Hörtest machen zu lassen. Wie war das bei Ihnen, als Sie sich entschlossen haben, den Hörtest zu machen? Wann kam der Punkt, an dem Sie dachten, jetzt muss ich doch etwas tun? Es war eine Kollegin von mir, mit der ich gearbeitet habe. Das ist jetzt schon zehn Jahre her, und die sagte während einer Theaterprobe zu mir: „Du hörst nicht mehr gut.“ Und sie zeigte mir ihr Hörgerät [lacht]. Sie hat mich dann einfach auch zu einem Hörgeräte-Akustiker geschickt und so bin ich zu meinem ersten Hörgerät gekommen.
Was ist Ihnen durch den Kopf gegangen, als sich herausstellte, dass Sie ein Hörgerät brauchen? Einerseits war ich sehr entspannt und habe damals gedacht, ich brauche keine Brille, das ist schon schön, aber dafür höre ich jetzt eben nicht mehr so gut, man kann eben nicht alles haben. Man kann mit fortschreitendem Alter nicht gleich hervorragend sehen und hören und schmecken und fühlen, und bei mir war es dann eben das Ohr, nicht wahr? Und deshalb war ich für mich selbst auch sehr schnell mit den Hörgeräten. Aber der Gedanke hat mich trotzdem lange gestört. Ich dachte, um Gottes willen, jetzt giltst du sozusagen als jemand, der nicht mehr gut hört. Und als ich merkte, dass ich nicht mehr alles so mitkriege, dass ich die Pointe eines Witzes nicht verstehe, dass ich in der Unterhaltung irgendwie hinterherhinke, weil ich nicht immer nachfragen wollte, was war das gerade und worüber lachen die jetzt gerade? Das hat mich schon gestört und anfangs fiel es mir auch schwer, es zu sagen. Ich habe dann so getan, als hörte ich. Ich habe dann ein interessiertes Gesicht gemacht mit „Ah so, ja, hm, ja, ja“, aber ich habe es nicht gehört und habe mich gescheut nachzufragen.
Hat sich die Scheu im Umgang mit der Hörminderung im Laufe der Zeit verändert? Ja. Durchaus. Es dauerte allerdings lange, bis ich dahin kam, es gegenüber anderen zuzugeben und auszusprechen. Das ist ein Prozess, die Hemmschwelle zu überwinden.
Sie selbst tragen Hörsysteme von Widex; was war Ihnen denn bei der Wahl Ihres Hörsystems besonders wichtig? Also in erster Linie war es das Hören in lautstarker Umgebung. Da stört das „schlechter Hören“ am meisten. Wenn man in einem Restaurant sitzt und es laut ist und man nicht sagen kann, jetzt seid mal alle ein bisschen ruhig. Wenn man im Freundeskreis ist, dann kann man das schon eher. Die Möglichkeit, ein Gerät der Situation anpassen zu können, war für mich der eigentliche Grund für die Wahl des Hörsystems. Hier muss man sagen, dass in den vergangenen Jahren schon große Fortschritte erzielt wurden. Na ja, und dann auch die nahezu Unsichtbarkeit, das war für mich ganz ganz wesentlich, dass man es nicht sah, dass ich nicht die Unsicherheit hatte, mich in der Öffentlichkeit zu bewegen.
Was hat Ihre Frau dazu gesagt, als sie gehört hat, dass Sie Hörgeräte bekommen? Ja, sie sagte, das ist toll. Dann hörst du mir endlich wieder zu. Schon sehr viel früher sagte sie: Entweder hörst du nicht, oder du willst mir einfach nicht zuhören [lacht].
Hat sich Ihr Leben mit dem Hörsystem verändert? Ja, sogar sehr. Weil ich mir gar nicht mehr vorstellen könnte, ohne auszukommen.
Empfinden Sie die Hörsysteme auch als wertvolle Unterstützung für das Berufsleben? Ja, für mich ganz wichtig. Ich könnte es mir jetzt nicht mehr ohne vorstellen. Also wenn Sie jemandem eine Brille wegnehmen, würde er immer stolpern, nicht? Und er hätte dann Angst davor, zu stolpern. So ist das auch beim Hören, dieses Bewusstsein, dass man jetzt diese Angst nicht mehr hat, dass man irgendwas nicht mitkriegt. Also das ist für mich schon ganz entscheidend.
Ist der Sicherheitsaspekt wichtig, dass man sich sagt, das Hörsystem führt dazu, dass man sich auch sicherer fühlt? Unbedingt. Ich fühle mich sicherer. Es fängt schon damit an, wenn du die Straße überquerst, nicht? Wenn du auf einmal nicht mehr hörst, dass etwas heranrauscht, das ist schon sehr wichtig, ja.
Würden Sie mit Ihrem Wissen und Ihren guten Erfahrungen von heute die Hörsystemversorgung früher angehen? Ja doch. Aber wie gesagt, da ist diese Hemmschwelle, die muss überwunden werden und verschwinden. Denken Sie an die Erfolgsgeschichte der Brille. Noch vor etwa 40, 50 Jahren haben Männer bei einer Bewerbung verschwiegen, dass sie eine Brille trugen, aus Angst, den Job nicht zu bekommen, oder Frauen aus Angst, als Brillenschlange zu gelten. Da hat sich in den letzten Jahrzehnten viel geändert. So wird es auch mit Hörgeräten sein, der Umgang mit Hörminderungen wird selbstverständlicher werden, eben wie bei der Brille.
Allein in Deutschland hören geschätzt 15 Mio. Menschen nicht mehr gut, darunter immer mehr junge Menschen. Die Konsequenzen sind häufig Isolation, Unsicherheit, mangelndes Selbstbewusstsein. Sie engagieren sich zusammen mit Widex für besseres Hören. Was empfehlen Sie Menschen mit einer beginnenden Hörminderung? Möglichst schnell einen Hörtest zu machen, um festzustellen, ob man wirklich schon schlecht hört – und das sollte man möglichst früh machen.
Sie sind Botschafter der Widex Hörgeräte GmbH und engagieren sich in diesem Rahmen für die Initiative für besseres Hören. Was liegt Ihnen bei diesem Engagement besonders am Herzen? Am Herzen liegt mir, dass diese Stigmatisierung aufhört, dass es diese Hemmschwellen nicht mehr gibt, dass sie abgebaut werden. Mir hat mal ein Wissenschaftler gesagt, wir gehen auf eine ganze Generation von schwerhörigen Menschen zu, die sich in der Jugend so volldonnern mit der verstärkten Musik, die an Körperverletzung grenzt oder tatsächlich eine ist. Die werden fast alle irgendwann mal hörgeschädigt sein. Da brauchen wir mehr Bewusstsein für das Thema an sich.
Wie denken Sie, können Sie als Botschafter für einen selbstbewussteren und selbstverständlicheren Umgang mit Hörsystemen sorgen? Erst einmal, indem man es ehrlich sagt, öffentlich sagt. Das könnte zu mehr Verständnis führen. Dass man vielleicht sagt: „Siehst du, wenn der Adorf das macht oder wenn der Adorf das sagt, dann ist das eben okay, nicht? Ich bin der Meinung, durch große Popularität und Glaubwürdigkeit bildet sich eine Vorbildfunktion und die sollte man letzten Endes auch verantwortungsvoll ausfüllen.
Wir danken Ihnen herzlich, dass Sie sich die Zeit für das Interview genommen haben. Ich danke Ihnen.
|
|