Pressemeldungen 2012

04.10.2012

Interview mit Deutschlands erfolgreichster Pferdetrainerin Andrea Kutsch

Mit Widex-Hörgeräten hört sie die Pferde wieder flüstern
Andrea Kutsch (44) ist Deutschlands berühmteste Pferdetrainerin. Unter Reitbegeisterten ist sie DIE Persönlichkeit, wenn es um das gewaltfreie, wissenschaftlich fundierte Pferdetraining geht. Die Kompetenz der Pferdetrainerin ist über Landesgrenzen hinaus bekannt. Seit zehn Jahren hat sie eine Hörminderung und konnte mit Hilfe ihrer Im-Ohr-Hörgeräte Widex Clear ihre Arbeit deutlich verfeinern.

Frau Kutsch, Sie tragen Hörsysteme. Wie haben Sie bemerkt, dass Sie schlecht hören?

Ich hab das in den ersten Vorführungen gemerkt, die ich mit meinem damaligen Lehrmeister Monty Roberts öffentlich gemacht habe. Als ich meine eigene Arbeit am Pferd kommentieren musste, verlor ich häufig meine Stimme. Irgendwann ging ich wegen meiner Stimmbänder zum Arzt und der sagte: „Ich glaube, Sie hören schlecht, Sie reden zu laut.“ Jetzt trage ich seit zehn Jahren Hörgeräte von Widex. Anfangs bin ich fast umgefallen, weil ich nicht fassen konnte, wie viel ich nicht gehört habe. Es kamen auf einmal so viele Geräusche in mein Bewusstsein, an die ich mich erst wieder gewöhnen musste.

Was bedeuten Ihnen Ihre Hörgeräte heute?

Heute liebe ich meine Hörgeräte und werde ganz nervös, wenn ich sie mal vergessen habe. Ich würde sagen, es ist der wichtigste Gegenstand, den ich besitze. Ich könnte auf alles verzichten, aber ich will nicht mehr auf meine Hörgeräte verzichten, wenn ich an dieser Welt teilhaben will.

Hatten Sie jemals das Gefühl, dass Ihre Hörminderung Sie in irgendeiner Weise einschränkt?

Seit ich die Hörgeräte habe, weiß ich, dass mein Leben völlig eingeschränkt ist ohne Hörgeräte. Wenn ich früher im Hotel war, habe ich den Fernseher so laut gestellt, dass Beschwerden aus den Nachbarzimmern kamen. Man sitzt im Restaurant am Tisch und die Freunde sagen: „Brüll nicht so laut.“ Man fühlt sich in seinem Leben eingeschränkt, weil man ständig vermittelt bekommt, dass man anders sein soll, als man ist. „Sei leiser! Mach den Fernseher leiser! Telefonier nicht so laut!“ All diese Konflikte, die sich ohne Hörgeräte täglich im sozialen Leben abspielen, sind in dem Moment vorbei, wenn du Hörgeräte hast.

Machen die Hörgeräte Ihrer Meinung nach das Leben einfacher?

Ja, viel einfacher. Wenn Sie schlecht hören, haben Sie viele Energieverluste und diese müssen Sie ausgleichen. Ich wünschte, mehr Menschen würden wissen, wie viel Energie ihnen geraubt wird, wenn sie ihren Hörverlust nicht mit Hörgeräten ausgleichen.

In welchen Situationen würden Sie Ihre Hörgeräte am meisten vermissen?

In Tischgesprächen mit mehreren Leuten. Ich konnte mich nie mit jemandem drei Stühle weiter unterhalten, habe immerzu gefragt: „Wie bitte?“ Das nervt einen selbst wahnsinnig. Man kann es ohne Hörgeräte echt nicht verstehen und manchmal habe ich nur lustig mitgelacht, weil der ganze Tisch gelacht hat, wusste aber gar nicht, worum es geht. Wenn die Geschichte später noch einmal in kleiner Runde erzählt wurde, habe ich mich fast totgelacht, weil ich sie erst dann verstanden habe. Die anderen fragten sich natürlich irritiert, was mit mir los ist.

Welche Funktion Ihrer Hörgeräte beeindruckt Sie besonders?

Mit Hörgeräten habe ich eine gute räumliche Orientierung, ohne Hörgeräte habe ich fast gar keine. Sie geben mir viel mehr Sicherheit. Vieles steht für mich unter dem Begriff Sicherheit: Ich bin unsicher ohne Hörgeräte, weil ich nicht weiß, was ich nicht höre.

Frau Kutsch, lassen Sie uns über Ihren Beruf sprechen, was reizt Sie besonders an der Arbeit mit Pferden?

An meinem Beruf fasziniert mich, dass ich durch dieses Kommunikationssystem, das ich erlernt, erforscht und weiterentwickelt habe, den Pferden eine Nachricht zukommen lassen kann, und zwar auf eine Weise, dass sie sofort verstehen, was sie machen müssen. Dadurch werden Missverständnisse ausgegrenzt, das Pferdetraining ist gewaltfrei und es werden weniger sogenannte Problempferde produziert, die dann auch nicht mehr getötet werden. Die Pferde werden verstanden, können sich mir mitteilen. Das ist eine wahnsinnige Fähigkeit, die durch meine Arbeit und die wissenschaftliche Fundierung auch lehrbarer geworden ist.

Wie wichtig ist gutes Hören für Ihren Beruf?

Unglaublich wichtig. Meine Arbeit mit Pferden ist noch feiner geworden. Pferde bewegen sich leise, weil sie keine Raubtiere wecken wollen. Durch die Hörgeräte kann ich noch besser hören, wie sie atmen, ob der Puls höher geht, ob die Nüstern sich weiten oder ob sie die Ohren bewegen. Ich höre diese Bewegungen und muss mich nicht mehr so häufig umdrehen und schauen. Das ist sehr wichtig, weil in der Sprache des Pferdes Auge in Auge zum Beispiel heißt: „Geh weg!“ Meine Hörgeräte helfen in der nonverbalen Kommunikation mit dem Pferd ungemein, weil ich grundsätzlich schneller reagieren und Missverständnisse vermeiden kann. Ich trage die Hörgeräte immer, wenn ich mit Pferden arbeite.

Sie haben Ihre Trainingsmethode demonstriert, was sehr beeindruckend war. Welcher Moment ist für Sie persönlich immer noch der bewegendste?

Wenn ich meine Schulter in einem 45-Grad-Winkel zum Pferd stelle und dieses Pferd an meine Schulter kommt und in meinen Nacken ausatmet und mir damit sagt: „Ich möchte lieber bei dir sein als irgendwo anders hier in dieser Umgebung.“ Das geht so unter die Haut, da bekomme ich immer noch Gänsehaut. Bewege ich mich weg, bleibt das Pferd an meiner Schulter und sagt quasi: „Ich bin bereit, alles von dir zu lernen, was du mir beibringst, aber tu mir nichts.“ Pferde brauchen keine Gewalt. Das ist mit Menschen auch nicht anders. Es hilft nichts, wenn ich jemanden anschreie, wenn er mich nicht versteht. Ich muss schauen, warum versteht er mich nicht, vielleicht braucht er wie ich Hörgeräte (lacht).

Sie sprühen vor Elan und Lebensfreude. Warum, glauben Sie, scheuen sich noch so viele Menschen vor einer Hörgeräte-Versorgung?

Weil sie nicht wissen, was sie alles verpassen. Das können andere Betroffene nur erfahren, wenn sie den Mut finden, Hörgeräte einfach mal auszuprobieren, und sich dann auch die nötige Eingewöhnungszeit lassen.

Das Interview führte Sandra Peggy Reiß

(Zeichen: 6.028)

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Pressetext:
Interview mit Deutschlands erfolgreichster Pferdetrainerin Andrea Kutsch